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By Patrick Süskind

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New PDF release: Fossilization in Adult Second Language Acquisition

This publication is a scientific try to deal with the problem of fossilization when it comes to a primary query in moment language acquisition examine, that's: why are novices, adults specifically, not able to strengthen the extent of competence they've got aspired to regardless of non-stop and sustained publicity to the objective language, sufficient motivation to profit, and enough chance to perform?

Asako Yamada-Yamamoto, Brian J Richards's Japanese Children Abroad: Cultural, Educational and Language PDF

Elevate in foreign company transaction has led to the transitority migration of jap households to many nations. this article examines the actual linguistic, cultural and academic implications of transitority place of abode in another country from the point of view of pros within the fields of schooling, language acquisition and bilingualism, and from jap humans themselves.

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Und es liegt nicht am Instrument. Meinen Sie, Franz Schubert fängt seine 8. Sinfonie mit einem Instrument an, auf dem man nicht schön spielen kann? Was denken Sie eigentlich von Schubert! – Aber ich kann es nicht. An mir liegt es. Technisch spiel ich Ihnen alles. Technisch habe ich eine hervorragende Ausbildung genossen. Technisch, wenn ich will, spiel ich Ihnen jede Suite von Bottesini, das ist der Paganini des Kontrabasses, da gibt es nicht viele, die mir das nachspielen würden. Technisch, wenn ich einmal wirklich hinüben würde, aber ich übe nicht, weil es bei mir keinen Sinn hat, weil es bei mir an der Substanz fehlt, weil, wenn es nicht innen weit fehlen würde, verstehen Sie, innen, im Musikalischen – und ich kann das beurteilen, denn so weit fehlt es noch nicht, so weit reicht es noch – und da unterscheide ich mich von andern, positiv –, ich hab Kontrolle über mich, ich weiß noch, Gottseidank, was ich bin und was ich nicht bin, und wenn ich mit fünfunddreißig als Beamter auf Lebenszeit im Staatsorchester sitze, so blöd bin ich nicht, daß ich wie mancher andre denke, ich bin ein Genie!

Stellen Sie sich vor, Sie gehen in die Oper, heute abend meinetwegen, Festspielpremiere ›Rheingold‹. Über zweitausend Leute in Abendkleidern und dunklem Anzug. Es riecht nach frischgewaschenen Frauenrücken, 37 nach Parfüm und Deodorant. Die schwarze Smokingseide glänzt, die Nackenwülste glänzen, die Brillanten funkeln. In der ersten Reihe der Ministerpräsident mit Familie, Kabinettsmitglieder, internationale Prominenz. In der Intendantenloge der Intendant mit seiner Frau und seiner Freundin und seiner Familie und seinen Ehrengästen.

Am nächsten Tag steht’s in der Zeitung, ich fliege aus dem Staatsorchester, gehe zu ihr mit einem Blumenstrauß, sie öffnet die Türe, sieht mich zum ersten Mal, ich stehe da wie ein Held, ich sage: »Ich bin der Mann, der Sie kompromittiert hat, denn ich liebe Sie«, wir fallen uns in die Arme, Vereinigung, Seligkeit, höchstes Glück, die Welt versinkt unter uns. Amen. – Ich habe natürlich versucht, mir Sarah aus dem Kopf zu schla38 gen. Wahrscheinlich ist sie menschlich völlig unzulänglich; charakterlich eine Null; geistig hoffnungslos unterbelichtet; einem Manne meines Formats überhaupt nicht gewachsen … Aber dann höre ich bei jeder Probe ihre Stimme, diese Stimme, dieses göttliche Organ.

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